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Illustration: Valerie Tiefenbacher
Verschiedene Spielstätten

Weh dem, der lügt!

von Franz Grillparzer
Frechheit siegt – auf keine Bühnenfigur trifft diese Redewendung so zu wie auf den Küchenjungen Leon, der sich durch das Hinaustrompeten von unstatthaften Wahrheiten Zugang zu den höchsten Kreisen und in die geheimsten Kammern verschafft – auch in die des Herzens.

Wahre Gaumenfreuden verspricht sich der grimmige rheinländische Schlossherr Kattwald, als ein junger Koch aus Burgund vor den Toren steht und seine Dienste anbietet. In kräftigen Farben malt sich Kattwald bereits die raffinierten Speisen aus, die bei der geplanten Hochzeit seiner Tochter mit dem von ihr so genannten „dummen Galomir“ kredenzt werden sollen. Was der Schlossherr nicht weiß: Der umgehend zum Maître de Cuisine beförderte Hochstapler ist hier, um sich einzuschleichen und eine Geisel zu befreien: den Neffen seines letzten Arbeitgebers, eines asketischen und wahrheitsversessenen Bischofs.
Grillparzers Stück von 1838 wäre kein „Lustspiel“, wenn diese Befreiungsaktion nicht ohne eine erschwerende Auflage vonstattenginge: Bischof Gregor hatte dem Küchenjungen Leon das Versprechen abgenötigt, bei seinem heldischen Vorhaben im Hause seines Feindes Kattwald kein einziges Mal zu lügen, nicht einmal zum Erreichen des guten Zwecks. Erst so verfällt Leon auf den bis in die heutige Gesellschaft hinein gebräuchlichen, von Grillparzer meisterhaft durchgespielten Trick, Wahrheiten so zu verkaufen, dass andere sie für Lügen halten müssen. Oder zumindest für Ironie.

Das riskante Spiel mit der Wahrheit inklusive Verfolgungsjagd, querfeldein durch das merowingische Mittelalter, inszeniert Martin Pfaff. Für den zuletzt als Schauspieldirektor am Landestheater Detmold tätigen Regisseur ist es sein Wien-Debüt.

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