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Illustration: Valerie Tiefenbacher
Uraufführung

Wir Hungerkünstler/innen (AT)

von Florentina Holzinger
„Ich verstehe keine Limits“, ist das Credo der Performerin und Ausnahmechoreografin Florentina Holzinger, der „Superstar der freien Tanzszene in Österreich“ (Der Standard). Nun trifft die Grenzgängerin zwischen Tanz und Theater auf Schauspieler/innen des Volkstheaters.

Für Heiner Müller war die Essenz des Theaters die „Präsenz des sterbenden Schauspielers oder Tänzers“ auf der Bühne. Doch im Schauspiel wurde der Bühnentod weitgehend ritualisiert. Dagegen ist das Risiko des unmittelbaren Todes allgegenwärtig in Formen des zeitgenössischen Tanzes, der Performance Art, wie sie etwa die Wiener Aktionist/innen prägten, oder im Zirkus, der sensationellen Unterhaltungskunst des Überlebens.
Die 1986 in Wien geborene Künstlerin Florentina Holzinger sucht in ihren Arbeiten die Herausforderung des Unberechenbaren zwischen Hochkultur und Unterhaltung. Als sie 2014 bei einem Gastspiel ihrer international erfolgreichen Performance Kein Applaus für Scheiße einen schweren Bühnenunfall erlitt, verarbeitete sie dieses Erlebnis in ihrer folgenden Arbeit Recovery. In ihrer aufsehenerregenden Arbeit Apollon fragte sie nach der Autonomie des Frauenkörpers auf der Bühne, zwischen Tanz und Bodybuilding.
Ausgangspunkt ihrer Stückentwicklung für das Volkstheater ist eine fast vergessene Attraktion des frühen 20. Jahrhunderts, die Kunst der Hungerkünstler/innen: In den Caféhäusern Wiens, strengstens überwacht und eingesperrt in Glaskästen, präsentierten diese Ausnahmeerscheinungen ihre Körperkunst vor den Augen einer sensationshungrigen Öffentlichkeit. Nach immer spektakuläreren Hungerrekorden, Ausbruchsversuchen und Betrugsfällen wurden alle Schaustellungen dieser Art in Wien 1926 polizeilich untersagt. Zeit für eine Revision.

  • Premiere
    MAI 2020