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© Christian Schütz / Volkstheater
© Christian Schütz / Volkstheater
Die Fortuna muss sich den Fuß überstaucht haben, dass s' nit in ersten Stock auffi steigen kann, sonst kehret s' gewiss nit zu ebner Erd ein.

Zu ebener Erde und erster Stock

von Johann Nestroy
Lokalposse mit Gesang, mit einem Couplet von Hans Rauscher
Mit freundlicher Unterstützung der WIENER STÄDTISCHE Versicherung AG
Ein Mietshaus wird von zwei ungleichen Parteien bewohnt: Im ersten Stock wohnt der reiche Spekulant Goldfuchs mit Tochter und Hauspersonal, zu ebener Erde die arme Tandler-Familie Schlucker. Während sie unten nicht wissen, wie die Miete bezahlt und das Essen beschafft werden soll, werden im oberen Stock Bankette und Bälle gegeben.

Wie es das Schicksal so will, verlieben sich ausgerechnet die Tochter aus gutem Hause und der Sohn der armen Familie ineinander. Ihrem Umfeld ist manche Intrige und Verwechslung recht, um diese Liebe zu verhindern. Es bedarf schon eines unverhofft kommenden Finderlohnes, des Bekanntwerdens einer verschwiegenen Vaterschaft und eines unheilvollen Schiffbruchs, um das Liebesglück zu begünstigen.

Nestroy, der große Satiriker der Wiener Komödie, erzählt in seiner „Lokalposse mit Gesang“ von der Fragilität von Herrschaftsverhältnissen. Von den Angestellten über die armen Leute bis zu den Millionären haben alle unterschiedliche Glücksvorstellungen, und fast alle sind zu Korruption und Täuschung bereit, um private und professionelle Ziele zu erreichen. Susanne Lietzow, Österreicherin und zweifache Nestroy-Preisträgerin (zuletzt 2014 für Nestroys Höllenangst am Theater Phönix in Linz), führt Regie bei diesem großen Ensemblestück mit bitterbösem Humor. Sie entwirft mit musikalischer Unterstützung von „Wiens emotionalster Garagenpunkband“ eine groteske Zwei-Klassen-Gesellschaft.

 

Mehr über Zu ebener Erde und erster Stock lesen Sie im Volkstheater-Magazin.


mit Sylvia Bra (Resi, 4 Jahre alt), Haymon Maria Buttinger (Christoph, 8 Jahre alt), Thomas Frank (Damian Stutzel), Günter Franzmeier (Schlucker), Rainer Galke (Monsieur Bonbon), Lukas Holzhausen (Georg Michael Zins), Katharina Klar (Fanny), Claudia Kottal (Salerl), Steffi Krautz (Sepherl), Kaspar Locher (Fortuna), Sebastian Pass (Johann), Nadine Quittner (Emilie), Christoph Rothenbuchner (Adolf), Stefan Suske (Herr von Goldfuchs), Günther Wiederschwinger (Zuwag/Koch/Gerichtspräsident), Gilbert Handler (Musiker), Paul Skrepek (Musiker), Martin Zrost (Musiker)

Pressestimmen

“Die Inszenierung mit ihren aktuellen Anspielungen auf Korruption und Dummheit (Emilie: ‘Die Armen in der Stadt könnten auf ihren Dachterrassen Gemüse anbauen’) ist gar nicht lieb, sie verbietet gallig das Süßliche, ist schwarz übermalt, ein Fest für Charakterköpfe wie Franzmeier und Suske, für Steffi Krautz als Frau Schlucker und Thomas Frank als ihr derber Bruder Damian, echte Volksschauspieler. Das Wienerische wird breit gefasst. Herr Zins hat einen ungarischen, Claudia Kottal als Damians großmütige Partnerin Salerl einen polnischen Akzent.”

Norbert Mayer, Die Presse

“Der 38-jährige Wiener Sebastian Pass, seit langem ein Stammspieler in den Lietzow-Produktionen, ist als verschlagener und geldgieriger Diener Johann absolut sehenswert und hat das Glück, dass ihm Hans Rauscher ein großes Couplet geschrieben hat, in dem die Wandlung eines latent faschistischen Mitläufers zum potenziellen Rollkommando von morgen anhand der aktuellen politischen Situation so beschrieben wird, dass einem die Gänsehaut kommt (…). Es ist ein ungewohnter, nicht immer schlüssiger, aber in jedem Fall widerborstiger und fordernder Nestroy, den Susanne Lietzow bei ihrer ersten Inszenierung an einer großen Wiener Bühne vorgelegt hat. Es wäre sehr schade, wenn das Volkstheater-Publikum diese Herausforderung nicht annimmt.“

Wolfgang Huber-Lang, APA

“Nicht minder gekonnt repräsentiert Stefan Suske als Spekulant Goldfuchs die Beletage im ersten Stock. Dort logieren auch, erfreulich allesamt, Rainer Galke als französischer Parvenu, Nadine Quittner als Tochter des Hauses und Katharina Klar als Dienstmädchen.”

Heinz Sichrovsky, News

“Die Regisseurin Susanne Lietzow hat Nestroys Posse Zu ebener Erde und erster Stock als überzeichnete, clownesk märchenhafte Komödie inszeniert, in der das Schäbige auch wirklich schäbig ist und die arme Familie Schlucker nach einem ausgiebigen Restaurantbesuch schon mal die zweistöckige, schwarze Bühne vollkotzt. Die zum Teil recht bösen Couplets über Flüchtlingskrise und Terrorangst grooven, die Bühnenband spielt eine Mischung aus Kammermusik, Wienerlied und Punk. Ein Abend über Leute, die allesamt zum Betrug bereit sind, egal ob arm oder reich. Gut ausgehen kann das nicht. Super!”

Sara Schausberger, Falter

“Die fein überzeichneten Kostüme von Marie-Luise Lichtenthal unterstreichen den schmalen Grat, auf dem die Inszenierung gekonnt balanciert. (…) Der Abend wird dicht verhandelt, da gibt es keine inszenatorischen oder dramaturgischen Löcher, die Charaktere agieren mit mächtigem – auch körperlichem – Einsatz und haben doch Zeit für ruhige Momente, in denen nicht minder Spannung herrscht.”

Julia Danielzcyk, Die Furche