„Es braucht diese ganz anderen Gemeinschafts-Momente“
Der Künstlerische Direktor des Volkstheaters und Regisseur von STATE OF THE UNION Jan Philipp Gloger über Hornbys Kunst und die Funktion des Lachens in herausfordernden Zeiten.
Warum passt Nick Hornbys Text über eine kriselnde Ehe so wunderbar auf eine Bühne?
Jan Philipp Gloger: Das Stück hat einen hohen Identifikationswert: Hornby schreibt zugänglich, pointiert und mit Leichtigkeit über komplizierte und durchaus schwerwiegende Dinge. Dinge, in denen sich im Grund jeder, der schonmal eine längere Beziehung hatte, wiederfinden kann. Und ich finde es auch viel spannender, so ein Paar nicht während der Therapie zu beobachten, sondern davor: beim Versuch, sich zu sortieren oder herauszufinden, was sie trennt und sie verbindet. Das ist ungefiltert, schonungslos, mithin absurd. Und das kann entlarvend und amüsant zugleich sein.
Und warum passen Johanna Wokalek und Tjark Bernau als Cast dafür?
Weil beide grandios, präzise, ehrlich, liebenswert und noch so viel mehr sind! Mit Tjark Bernau mache ich seit vielen Jahren gemeinsam Theater und mit Johanna Wokalek habe ich zwar viel über Theater geredet, aber gemeinsam Theater gemacht haben wir noch nie. Johanna und Tjark sind ganz unterschiedliche Theaterwege gegangen. Und trotzdem: Beide interessiert eine Schonungslosigkeit in der Figurenzeichnung, sie haben ein sehr gutes Gespür für Timing und beide haben im Übrigen genau die richtige Portion Lebenserfahrung für diese Unternehmung.
Inwiefern kann uns Humor durch schwierige Zeiten helfen?
Gemeinsames Lachen kann Gemeinschaft stiften – im besten Fall Gemeinschaft zwischen ganz unterschiedlichen Leuten, die im Theater aufeinandertreffen. Das wäre meine Vision von einem Volkstheater. Das kann im besten Fall auch gegen gesellschaftliche Zerreißproben helfen. In Zeiten, in denen vor allem Empörung, Hass, Gewalt und Angst Menschen bewegen und mobilisieren, braucht es unbedingt diese ganz anderen Gemeinschafts-Momente.
In drei Punkten: Mit welchen Gefühlen soll das Publikum den Saal wieder verlassen?
Es können so viele sein. Ich versuche mal drei rauszufiltern: Offenheit, gesteigerte Aufmerksamkeit, Theaterlust.
STATE OF THE UNION feiert am 13. Februar Premiere. Infos & Tickets hier!
Foto: Marcella Ruiz Cruz

