ALL RIGHT. GOOD NIGHT.

EIN STÜCK ÜBER VESCHWINDEN UND VERLUST
Wien-Premiere//Koproduktion - Eingeladen zum 59. Berliner Theatertreffen & Nominiert für den Mülheimer Dramatikpreis 2022
von Helgard Haug (Rimini Protokoll) mit Musik von Barbara Morgenstern in Zusammenarbeit mit dem Zafraan Ensemble.
„Einer der schönsten, traurigsten Texte des Jahres.“ (nachtkritik.de)

Das Theater ist der Ort der Vergegenwärtigung, der Präsenz und Liveness. Oder auch A-Liveness. Jedes Bühnengeschehen ist durchdrungen von Lebendigkeit. Das Publikum kann sich Sekunde für Sekunde vergewissern: Diese Körper da auf der Bühne sind für mich da, diese Stimme spricht zu mir – jetzt, in diesem Moment. Wir teilen genau diesen Moment, hier, in einem Raum - dieser Wirklichkeit.
Aber: Was passiert mit dem Theater, wenn für eine Aufführung die Selbstverständlichkeit der menschlichen Präsenz verschwindet?
Was bleibt dann übrig?
Nur Gedanken und Erinnerung? Der nackte Theaterapparat? Die Musik?

Die MH370 war ein internationaler Passagierlinienflug der Malaysia Airlines.
Am 8. März 2014 startete die Boeing mit 227 Passagieren und 12 Crewmitgliedern von Kuala Lumpur zu seinem Zielort Peking: Unspektakuläre Routine für 39 Minuten und 13 Sekunden. Dann verschwand das Flugzeug vom Radar.

Sein Verschwinden wurde als eines der größten Luftfahrträtsel aller Zeiten bezeichnet – denn es scheint unglaublich, dass etwas so Großes wie eine Boeing in einer Welt verloren gehen kann, in der vermutlich alles und jeder unter Überwachung steht.
Und es scheint unmöglich, dass es verloren bleibt. Obwohl die Suche mit über 150 Millionen Euro die kostspieligste in der Geschichte und von imposantem Ausmaß war.

Kurz nach dem Verschwinden des Flugzeugs schreibt der Vater der Autorin und Regisseurin, seinem Enkel vier Glückwunschbriefe zum Geburtstag. Der Inhalt fast identisch; jeder Umschlag mit Sondermarke frankiert. Ein Jahr später kommt gar keine Karte, der Geburtstag war wohl vergessen worden und irgendwann bekommt diese Vergesslichkeit einen Namen und wird zur Krankheit: Demenz. Der Name des Enkels gerät in Vergessenheit, die Tatsache, dass es einen gibt und schließlich die Gewissheit über die eigene Person.

In ‘All right. Good night.’ zeichnet Helgard Haug das Verschwinden, die Suche und das Ringen mit der Ungewissheit nach - am Beispiel des verschwundenen Flugzeugs und der sich manifestierenden Demenz des eigenen Vaters. Es ist das Protokoll eines unumkehrbaren Prozesses.

Musik ist das künstlerische Medium, das die größte Tradition darin hat, Verschwundenes begreifbar zu machen. Sei es durch ein Requiem zum Gedenken an Verstorbene oder durch einen Chor, der schon im antiken Theater bezeugend als Chronist auftrat und von kaum vorstellbaren Schlachten und göttlichen Fügungen berichtete. Für ‘All right. Good night.’ komponiert die Elektropopmusikerin Barbara Morgenstern in Zusammenarbeit mit dem Arrangeur Davor Vincze zum ersten Mal für ein klassisches Orchester. Gelingt es den 12 MusikerInnen des Zafraan Ensembles die Lücke und die darauf folgende Leere begreifbar zu machen?

Jedes Verschwinden benötigt Narrative. Es gibt ausgefeilte Methoden und Techniken, mit denen die Abwesenheit bezeugt wird: Das Flugradar, auf dem kein grüner Punkt mehr zu sehen ist. Der Anruf, der ins Leere läuft. Der GPS-Sender am Ohr des Tieres, der keine neuen Daten mehr sendet. Be- und überwacht von im Weltraum schwebenden Satelliten wird die Umlaufbahn der Erde zu dem Ort, an dem Funktechnologien ein Zeugnis ablegen über On oder Off, Präsenz oder Absenz, Leben oder Tod.

Zafraan Ensemble Musiker:innen Bühne: Matthias Badczong (Klarinette), Evi Filippou (Percussion), Josa Gerhard (Violine), Martin Posegga (Saxophon), Beltane Ruiz (Kontrabass)
Zafraan Ensemble Musiker:innen Aufnahme: Damir Bacikin (Trompete), Matthias Badczong (Klarinette), Benedikt Bindewald (Viola Tonaufnahme), Alice Dixon (Cello), Josa Gerhard (Violine), Florian Juncker (Posaune), Liam Mallet (Flöte), Noa Niv (Posaune), Yumi Onda (Violine), Martin Posegga (Saxophon), Natalie Plöger (Kontrabass), Maria Reich (Viola), Anna Viechtl (Harfe), Adam Weisman (Schlagzeug) / Aufnahme Wort: Mainland Media (Micha Kube), Frank Böhle

In Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer (Berlin), Volkstheater Wien, The Factory Manchester, Künstlerhaus Mousonturm, PACT Zollverein.
Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds sowie durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Aufführungsrechte: schaefersphilippen Theater und Medien GbR
Musikrechte: Barbara Morgenstern © Maobeat Musikverlag/Budde Music Publishing GmbH
Besetzung
Konzept, Text, Regie 
Komposition 
Barbara Morgenstern
Bühne 
Video/Licht Design 
Marc Jungreithmeier
Sound Design 
Dramaturgie 
Outside Eye 
Aljoscha Begrich
Dirigat 
Premil Petrovic
Arrangement 
Davor Vincze
Technische Leitung 
Recherche / Regie Assistenz 
Bühnenbild- und Kostüm Assistenz 
Produktionsleitung 
Übersetzung 
Pressestimmen
„Einer der schönsten, traurigsten Texte des Jahres.“ (nachtkritik.de)

„Eine großartige Arbeit.“ (Tagesspiegel)

„Ein Bühnenabend, der anrührt und Raum und Zeit lässt für ganz eigene Gedanken.“ (NZZ)
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 Wien-Premiere 
Mi
30.03.2022
19:30
2 Std.
20 Min.
EUR 11,–
bis EUR 52,–
Tickets
Do
31.03.2022
19:30
2 Std.
20 Min.
EUR 11,–
bis EUR 52,–
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