DIE REDAKTION (AT)

in Kooperation mit DOSSIER
Uraufführung
von Calle Fuhr
„Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand.“( Max Frisch)

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde die Wahrheit über das weltpolitische Geschehen auf drei Arten vermittelt: Früh am Morgen, wenn die Zeitung durch den Briefschlitz geworfen wurde – Das war Variante eins. Variante zwei fand ebenso zuverlässig jeden Abend um 19:30 Uhr statt, wenn in der Zeit im Bild würdevoll die wichtigsten Nachrichten des Tages verlesen wurden – also die, die von der Redaktion ausgewählt wurden. Variante drei war die aktuellste und schnellste, immer zur vollen Stunde: das Radio.

Heute können wir bekanntermaßen selbst entscheiden, wann, wie und von wem wir das für uns Wichtigste erfahren. Wir lesen nach, diskutieren in den sozialen Medien und sind nicht selten überfordert: Garantiert uns die unendliche Vielfalt an Quellen gleichzeitig auch eine Qualität der Informationen, der Recherche, des Hintergrundwissens? Welchen Wert haben Fakten eigentlich, wenn sie innerhalb von Sekunden schon von der nächsten PushNachricht überholt werden?

Nicht nur die Leser*innen, Seher*innen und Hörer*innen sind mit diesen Fragen konfrontiert – auch die Journalist*innen. Das journalistische Handwerkszeug ist zwar zeitlos, doch viele haben keine Zeit mehr für gründliche Recherche, für eine Tiefenbohrung zur Wahrheit und nichts als der Wahrheit. Im Rennen um die Aufmerksamkeit und die schnellste Information ist Tiefgang ein Wettbewerbsnachteil.

Die Journalist*innen des Magazins DOSSIER sind Kooperationspartner*innen des Volkstheaters und versuchen gegen diese Logik zu arbeiten. Die Ergebnisse ihrer sorgfältigen Recherchen schlagen Wellen: So haben sie sich zum Beispiel mit viel Gegenwind der Causa Toni Sailer gewidmet, die dann im Stück HELDENPLÄTZE mit Gerti Drassl ihren Weg auf die Bühnen der Bezirke und in die Dunkelkammer fand.
Doch nicht nur die Ergebnisse der Recherchen sind fesselnd – Oft ist die Recherche selbst ein Thriller. Deshalb dreht Calle Fuhr, Künstlerischer Leiter des Volkstheaters in den Bezirken, in seiner neuen Arbeit DIE REDAKTION (AT) den Spieß um und legt den Fokus auf den Rechercheprozess: Auf spannungsgeladene Redaktionssitzungen, Off-the-record-Zugeständnisse und On-therecord-Lügengeschichten.
Denn wie erreichen Journalist*innen ihre Quellen und wie gewinnen sie ihr Vertrauen? Wie gehen sie um mit Einschüchterungen, gar Morddrohungen? Was passiert, wenn das ganze Puzzle zusammenpasst, aber das allerletzte Stück für eine Geschichte noch fehlt? Ist es dabei tatsächlich möglich, objektiv zu bleiben? Und welchen Nutzen hat die Wahrheit?
Besetzung
Regie und Bühne 
Dramaturgie 
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