von Elfriede Jelinek
Nach den Erfolgsinszenierungen „humanistää!“ nach Ernst Jandl und „MALINA“ nach Ingeborg Bachmann widmet sich Regisseurin Claudia Bauer erneut großer österreichischer Literatur – und wirft nach der gleichermaßen erfolg- wie skandalreichen österreichischen Erstaufführung 1990 am Volkstheater einen neuen Blick auf Elfriede Jelineks aberwitziges, blutrünstiges Sprachspiel über Klischee, Vorurteile und männliche Weiblichkeitsentwürfe. Ein vampirisches Vergnügen! Na, schon Blut geleckt?



„Jetzt bin ich leider tot!“

Dr. Heidkliff ist ein richtiger Mann. Er hat sein Leben im Griff. Zahnarzt, Gynäkologe, geschlechtsreif. Bei ihm ist alles im Lot, er ist die Norm. Frauen hingegen, naja. Frauen sind das Chaos, die Natur, anstrengend beseelt und bedeutsam, seit der Antike mindestens. Aber sie können neues Leben gebären! Vielleicht sogar neues männliches Leben, den Junior-Chef oder den Thronfolger. Amen und Prost.

Bei allen Entbindungen in Dr. Heidkliffs Praxis hilft ihm seine Verlobte, die fleißige Krankenschwester Emily. Allerdings auch schon auf den Geschmack gekommen: Aus ihrer Brust ragen zwei bluttropfende Holzpfahle, ihre Eckzähne sind merkwürdig spitz – aber „das, Emily, stört mich gar nicht, solange du das Haus nicht vernachlässigst.“

Das ändert sich, als das nächste Patient:innenpaar zur Tür hereinschneit. Benno Hundekoffer ist Steuerberater, seine Gattin Carmilla zum sechsten Mal schwanger. Die Geburt scheint zu glücken, der Nachwuchs wird schon eifrig von Benno begrüßt („Hoppla! Da sitzt ja einer im Ausguck! Dieser Ort ist Wien, das heißt Österreich!“). Doch dann stirbt Carmilla bei der Geburt, Benno ist auch kurz ein bisschen traurig deswegen. Emily hingegen – in Flirtlaune und dank all dem Geburtsblut voller Kohldampf – rettet Carmilla durch einen beherzten Biss in ihren Hals. Woraufhin eine vampirische Liebesbeziehung ihren Lauf nimmt – mit zwei Särgen als Ehebett. Als Proviant dienen Blutkonserven aus der Arztpraxis und notfalls geht es den Kindern an den Kragen. Heidkliff und Hundekoffer sind von der unerwarteten Subjektwerdung ihrer Gattinnen jedoch so gar nicht begeistert – und rufen auf zur ultimativen Jagd: „Verschwenderinnen von Saatgut! Ich möchte Krieg sein!“ Doch Untote lassen sich nicht mehr vereinnahmen …

Ein Sprachexzess, eine Diskurs-Anatomie, ein Konventionsfleischwolf: Elfriede Jelineks 1984 erstmals veröffentlichtes KRANKHEIT ODER MODERNE FRAUEN ist ein aberwitziger, Theater- und Moralgrenzen sprengender Kosmos, gegen den weder Knoblauch noch Kruzifix eine Chance haben. Die Aufführung des Stücks 1990 am Volkstheater brachte Jelinek erstmals auf eine große Bühne in Österreich, wurde zum Erfolg und Skandal gleichermaßen, die damalige Direktorin Emmy Werner wurde dafür sogar körperlich attackiert. Nun – eine Generation später – wirft Claudia Bauer einen neuen Blick auf diesen Text. Nach den Erfolgsinszenierungen „humanistää!“ nach Jandl und „MALINA“ nach Bachmann ist es ihre dritte Auseinandersetzung mit sensationeller österreichischer Literatur.

Auf der Bühne

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Pressestimmen

„Die Schauspieler erobern die Bühne und machen ein Fest aus der bissigen Satire! Ähnlich wie bei humanistää nach Ernst Jandl und MALINA von Ingeborg Bachmann gelingt es Claudia Bauer, den Eigenarten einer österreichischen Sprachkünstlerin starke Bilder entgegenzusetzen und sie damit erst recht zum Leuchten zu bringen.”
Martin Thomas Pesl, Deutschlandfunk
„Der Abend bietet neben dem tänzerisch-akrobatischen Einsatz des Ensembles ein hervorragendes Sprechschauspiel. Eilinghoff, Meier, Nowak, Stoyanov und Reimann glänzen, die Monologe sind rhythmisch perfekt einstudiert.”
Krystian Podworny, Neue Wiener Theaterkritik

Termine

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 nur wenige Vorstellungen 
Sonntag,
15.2.2026,
18:00 Uhr
2 h
EUR 17,- bis EUR 56,-
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Dienstag,
17.3.2026,
19:30 Uhr
2 h
EUR 17,- bis EUR 56,-
Tickets ab 5.2.2026
 nur wenige Vorstellungen 
Freitag,
20.3.2026,
19:30 Uhr
2 h
EUR 17,- bis EUR 56,-
Tickets ab 5.2.2026
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Content Note

In dieser Inszenierung werden Themen wie Gewalt an Frauen und Kindern sowie andere potenziell belastende Inhalte in künstlerischer Form dargestellt. Zudem kommen Stroboskop-Effekte zum Einsatz.