DIE WOLFSHAUT

von Hans Lebert, in einer Bühnenfassung von Ed. Hauswirth und Alexander Kerlin
Ein kleines obersteirisches Bergdorf in der Nachkriegszeit. Die Bevölkerung schweigt, geistert zwischen Wirtshaus und Fleischhauerei umher. Ein nicht enden wollender Regen. Und dann ereignen sich die ersten Morde. Hans Leberts DIE WOLFSHAUT gilt als einer der ersten österreichischen Anti-Heimat-Romane – und ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Für die Dunkelkammer entwickelt der Grazer Regisseur Ed. Hauswirth (DIE SCHAM) eine verdichtete Fassung dieses großen, gespenstischen Werks.
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„Die Sonne geht auf wie ein frischer Blutfleck.“

„Am achten November, etwa um drei Uhr morgens, weckte den Matrosen ein Unbehagen, ein ekelhaftes, frostiges Gefühl.“ Das ist einer der ersten Sätze aus dem Jahrhundertroman DIE WOLFSHAUT des Wiener Schriftstellers und Opernsängers Hans Lebert (1919-1993). Nach Jahren auf See ist der Matrose in sein Heimatdorf mit dem bezeichnenden Namen Schweigen zurückgekehrt. Allein bewohnt er die Töpferhütte seines verstorbenen Vaters. Wir schreiben das Jahr 1952. Nachkriegs-Österreich am Land.

Leberts Buch, 1960 erstmals erschienen und heute zunehmend in Vergessenheit geraten, porträtiert das Bergdorf in der Obersteiermark durch die Augen eines Zurückgekehrten; und das Bild, das er zeichnet, ist düster. Volle 99 Tage lang stapft der Matrose durch den Schlamm und den Schneematsch zwischen Wirtshaus und Polizeistation, auf der Suche nach dem Grund seines plötzlichen Gefühls, dieses unbestimmten Unwohlseins: unter drohend sich auftürmenden Wolkenbergen und im niemals enden wollenden Nieselregen, überwältigt von Todessehnsucht und dunklen Ahnungen darüber, was kurz vor Kriegsende im Dorf Schweigen geschehen sein könnte – und worüber hier niemand mit ihm sprechen möchte.

Dann stirbt mitten in der Nacht in der verlassenen Ziegelei der junge Hans Höller, und wenig später wird dem alten Schreckenschläger mit einer Axt der Schädel gespalten, in Sichtweite der Töpferhütte. Die Fahnder aus der Großstadt kommen – und gehen unverrichteter Dinge. Soll etwas vertuscht werden? Hatte der Vater des Matrosen etwas damit zu tun? Was weiß der einsame, Schnaps brennende Schmied, der oben am Berg lebt? Und der Jäger Habergeier – hat der auch Dreck am Stecken, obwohl er schon im Landtag sitzt?

DIE WOLFSHAUT, einer der ersten österreichischen Anti-Heimat-Romane, widmet sich gnadenlos dem Vertuschen österreichischer Kriegsverbrechen in den 1950er Jahren. Lebert wurde dafür angefeindet, aber auch frenetisch gefeiert, und sein überbordender Stil und seine Erzählkraft wurden mit Kafka, Musil, Broch und Doderer verglichen.

Für die Dunkelkammer entwickelt der Grazer Regisseur Ed. Hauswirth (DIE SCHAM) eine verdichtete Fassung dieses großen Werks: Ein Nachkriegskrimi, eine Gespenstergeschichte, ein Blick zurück an einen dunklen Ort, der – obschon fiktiv – für Vieles steht, was vor noch nicht allzu langer Zeit ganz real
geschehen ist.

Besetzung
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 Premiere 
Sa
25.01.2025
18:00
EUR 22,– /
erm. EUR 9,–
Tickets ab 05.12.2024
Mi
14.05.2025
18:00
SHOWDOWN IM VOLKSTHEATER
EUR 22,– /
erm. EUR 9,–
Tickets ab 13.01.2025
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