VIENNA MOSSE LECTURES
VERFÜGBARKEIT - AVAILABILITY
Neben Berlin, New York, Berkeley, Madison und Jerusalem kommt die internationale und transdisziplinäre Vortragsreihe nun auch nach Wien. 1997 in Berlin begründet, knüpft sie an das Erbe der deutsch-jüdischen Familie Mosse an, die durch ihr liberales Berliner und Wiener Pressehaus die Öffentlichkeit der Zwischenkriegszeit nachhaltig prägte und auch nach der Zeit im Exil an ihrem politischen Engagement festhielt. Mit halbjährlich wechselnden Schwerpunktthemen widmen sich die Vienna Mosse-Lectures aktuellen Fragen der Geschichte und Kultur, Politik und Wirtschaft oder Kunst und Literatur.
Thema im Frühjahr/Sommer 2026: Verfügbarkeit – availability
Die Ausweitung von Verfügbarkeit – an Rohstoffen und Waren, an Orten, Informationen und Personen – hat man als einen wesentlichen Entwicklungsantrieb neuzeitlicher Industrienationen bezeichnet. Die allgemeine Zugänglichkeit basaler Ressourcen – von der medizinischen Versorgung bis hin zur Bildung, von Post, Telefon und Elektrizität bis hin zum Internet – gilt bis heute als wesentlich für demokratische Teilhabe überhaupt. Doch ist das Modell einer Vergesellschaftung qua Konsum an seine Grenzen gestoßen. Drastisch zeigt sich das aktuell nicht nur an der ökologischen Krise, sondern ebenso an der menschlichen Arbeits- und Lebenswelt. Denn bruchlose Lieferketten, zuverlässige Just-in-Time-Ökonomien und Serviceleistungen für alle Nischen des öffentlichen und privaten Lebens bedürfen weitestgehend disponibler, am besten Tag und Nacht bereitstehender Arbeitskräfte. „Gig-Ökonomien“ (Colin Crouch) wie die von Uber oder den mittlerweile zahllosen Lieferdiensten haben ihre Beschäftigten im selben Zuge zu „Arbeitskraftunternehmern“ im Stand-by degradiert, wie sie die traditionellen Begrenzungen und Regelungen der Arbeitswelt insgesamt umwälzen. Konsumenten verraten als ‚Prosumenten‘ ihre Bedürfnisse von Morgen und steuern damit die Ausweitung des Angebots. Und auf Basis datifizierter Persönlichkeitsprofile machen zuletzt Serviceleistungen wie die der Dating-Apps sogar Intimität, Leidenschaft und Liebeswahl zu einer Frage geschäftlicher Verfügbarkeit.
Die Mosse Lectures sollen Auswege aus dieser Ontologie der Verfügbarkeit erkunden, in der nur dem, was zugänglich ist, Seinsstatus zugesprochen wird. Auf politischer Ebene führt das zur Einengung des Möglichkeitshorizonts, in dem nur das planbar Zugängliche eine Zukunft zu
haben scheint, auf anthropologischer Ebene zu einer Endlosigkeit des Bedürfnisses, das sich zugleich an seiner Unerfüllbarkeit aufrechterhält. Deshalb hat sich zuletzt in der ökologischen, ökonomischen und allgemein philosophischen Debatte ein Begriff der Praxis und der Freiheit
herauskristallisiert, der Handlungsfähigkeit und Autonomie an die Konfrontation mit dem Unverfügbaren bindet; der Sinn des Tabus, wie er traditionellen Gesellschaften zugeschrieben wurde, wird in seiner vitalen Funktion neu bedacht; und nicht zuletzt werden zusehends Verhaltenslehren propagiert, die auf Selbstbescheidung, „Entnetzung“ oder „the joy of not responding“ setzen.
Die Webseite der Mosse Lectures finden Sie hier: https://mosselectures.wisc.edu/
Die Vienna Mosse Lectures werden finanziert von der Mosse Foundation und der Stadt Wien
Verantwortlich für das Programm und die Organisation: Prof. Dr. Burkhardt Wolf; Dr. Szilvia Gellai; Prof. Dr. em. Roland Innerhofer; Rafael Jakob
Kontakt:
rafael.jakob@univie.ac.at
burkhardt.wolf@univie.ac.at
Thema im Frühjahr/Sommer 2026: Verfügbarkeit – availability
Die Ausweitung von Verfügbarkeit – an Rohstoffen und Waren, an Orten, Informationen und Personen – hat man als einen wesentlichen Entwicklungsantrieb neuzeitlicher Industrienationen bezeichnet. Die allgemeine Zugänglichkeit basaler Ressourcen – von der medizinischen Versorgung bis hin zur Bildung, von Post, Telefon und Elektrizität bis hin zum Internet – gilt bis heute als wesentlich für demokratische Teilhabe überhaupt. Doch ist das Modell einer Vergesellschaftung qua Konsum an seine Grenzen gestoßen. Drastisch zeigt sich das aktuell nicht nur an der ökologischen Krise, sondern ebenso an der menschlichen Arbeits- und Lebenswelt. Denn bruchlose Lieferketten, zuverlässige Just-in-Time-Ökonomien und Serviceleistungen für alle Nischen des öffentlichen und privaten Lebens bedürfen weitestgehend disponibler, am besten Tag und Nacht bereitstehender Arbeitskräfte. „Gig-Ökonomien“ (Colin Crouch) wie die von Uber oder den mittlerweile zahllosen Lieferdiensten haben ihre Beschäftigten im selben Zuge zu „Arbeitskraftunternehmern“ im Stand-by degradiert, wie sie die traditionellen Begrenzungen und Regelungen der Arbeitswelt insgesamt umwälzen. Konsumenten verraten als ‚Prosumenten‘ ihre Bedürfnisse von Morgen und steuern damit die Ausweitung des Angebots. Und auf Basis datifizierter Persönlichkeitsprofile machen zuletzt Serviceleistungen wie die der Dating-Apps sogar Intimität, Leidenschaft und Liebeswahl zu einer Frage geschäftlicher Verfügbarkeit.
Die Mosse Lectures sollen Auswege aus dieser Ontologie der Verfügbarkeit erkunden, in der nur dem, was zugänglich ist, Seinsstatus zugesprochen wird. Auf politischer Ebene führt das zur Einengung des Möglichkeitshorizonts, in dem nur das planbar Zugängliche eine Zukunft zu
haben scheint, auf anthropologischer Ebene zu einer Endlosigkeit des Bedürfnisses, das sich zugleich an seiner Unerfüllbarkeit aufrechterhält. Deshalb hat sich zuletzt in der ökologischen, ökonomischen und allgemein philosophischen Debatte ein Begriff der Praxis und der Freiheit
herauskristallisiert, der Handlungsfähigkeit und Autonomie an die Konfrontation mit dem Unverfügbaren bindet; der Sinn des Tabus, wie er traditionellen Gesellschaften zugeschrieben wurde, wird in seiner vitalen Funktion neu bedacht; und nicht zuletzt werden zusehends Verhaltenslehren propagiert, die auf Selbstbescheidung, „Entnetzung“ oder „the joy of not responding“ setzen.
Die Webseite der Mosse Lectures finden Sie hier: https://mosselectures.wisc.edu/
Die Vienna Mosse Lectures werden finanziert von der Mosse Foundation und der Stadt Wien
Verantwortlich für das Programm und die Organisation: Prof. Dr. Burkhardt Wolf; Dr. Szilvia Gellai; Prof. Dr. em. Roland Innerhofer; Rafael Jakob
Kontakt:
rafael.jakob@univie.ac.at
burkhardt.wolf@univie.ac.at


Termine
Eliot Higgins (Bellingcat): „Demanufacturing Consent – How Disordered Discourse is Destroying Democracy“
Anschließendes Gespräch mit Barbara Tóth (Reporter ohne Grenzen, Falter)
Einführung: Burkhardt Wolf (Universität Wien)
Moderation: Szilvia Gellai (Universität Wien)
Anschließendes Gespräch mit Barbara Tóth (Reporter ohne Grenzen, Falter)
Einführung: Burkhardt Wolf (Universität Wien)
Moderation: Szilvia Gellai (Universität Wien)
Irina Scherbakowa (Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation MEMORIAL, ausgezeichnet mit dem Friedensnobelpreis 2022): „Der lange Schatten des Stalinismus. Putins Russland 2025“
Moderation: Rafael Jakob (Universität Wien)
Moderation: Rafael Jakob (Universität Wien)
Gabi Ivens (Human Rights Watch): „Nature as a digital witness: Using environmental clues to investigate human rights abuses“
Anschließendes Gespräch mit Stefanos Levidis (Forensic Architecture)
Moderation: Roland Innerhofer (Universität Wien)
Anschließendes Gespräch mit Stefanos Levidis (Forensic Architecture)
Moderation: Roland Innerhofer (Universität Wien)
Joseph Vogl (Humboldt-Universität Berlin, Princeton University): „Epoche des Amok“
Moderation: Burkhardt Wolf (Universität Wien)
Moderation: Burkhardt Wolf (Universität Wien)