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JELISAWETA BÄM
Ein realistisches Melodram nach Daniil Charms
„Mich interessiert nur Quatsch“, notiert Daniil Charms 1937 in sein Tagebuch. „Nur das, was keinerlei praktischen Sinn hat. Nur das Leben in seiner absurden Erscheinungsform.“ Zu diesem Zeitpunkt steht der Schriftsteller am Abgrund: mittellos, isoliert, wenige Jahre vor Verhaftung und Hungertod in stalinistischer Haft. Diese Zeilen sind nicht nur die Poetik seines tatsächlich grotesken Werks, sondern auch vergeblicher Rettungsversuch eines Künstlers in totalitären Zeiten: Keine Sorge, das hier ist doch nur Quatsch.
Zehn Jahre zuvor schrieb Charms sein einziges abendfüllendes Theaterstück „Jelisaweta Bam“ – es mauserte sich trotz jahrzehntelangen Aufführungsverbots zum Pionier des Absurden Theaters: Zwei Polizisten klingeln an der Tür, um die junge Jelisaweta ohne Begründung festzunehmen. Doch kaum hat die kafkaeske Situation Gestalt angenommen, zerfällt sie wieder. Stattdessen folgen neunzehn auf Knopfdruck wechselnde Genres: Melodram und Slapstick, Albtraum und Märchen, Sprachzertrümmerung und philosophische Farce.
Der im Unfug aufblitzende Horror taucht auch im Rest seines größtenteils fragmentarischen Werks auf. Da fallen Arme und Beine von Körpern, Menschen werden von Männern in Ledermänteln abgeholt, Ärzte ermorden Patient:innen, Tote stehen plötzlich wieder in der Küche. Charms’ Figuren stolpern und zerbröseln in den Ritzen einer Wirklichkeit, die längst ohne sie auszukommen scheint. Durch das Prisma seines Nonsens erscheint die Brutalität der Welt berückend klar.
Claudia Bauer kehrt ans Volkstheater zurück und widmet sich erneut genresprengend und hochpräzise einem großen Sprach- und Lebenskünstler der Literaturgeschichte. In JELISAWETA BÄM bringt sie jene Wirklichkeit auf die Bühne, die wir irrtümlicherweise immer noch „Quatsch“ nennen.
Zehn Jahre zuvor schrieb Charms sein einziges abendfüllendes Theaterstück „Jelisaweta Bam“ – es mauserte sich trotz jahrzehntelangen Aufführungsverbots zum Pionier des Absurden Theaters: Zwei Polizisten klingeln an der Tür, um die junge Jelisaweta ohne Begründung festzunehmen. Doch kaum hat die kafkaeske Situation Gestalt angenommen, zerfällt sie wieder. Stattdessen folgen neunzehn auf Knopfdruck wechselnde Genres: Melodram und Slapstick, Albtraum und Märchen, Sprachzertrümmerung und philosophische Farce.
Der im Unfug aufblitzende Horror taucht auch im Rest seines größtenteils fragmentarischen Werks auf. Da fallen Arme und Beine von Körpern, Menschen werden von Männern in Ledermänteln abgeholt, Ärzte ermorden Patient:innen, Tote stehen plötzlich wieder in der Küche. Charms’ Figuren stolpern und zerbröseln in den Ritzen einer Wirklichkeit, die längst ohne sie auszukommen scheint. Durch das Prisma seines Nonsens erscheint die Brutalität der Welt berückend klar.
Claudia Bauer kehrt ans Volkstheater zurück und widmet sich erneut genresprengend und hochpräzise einem großen Sprach- und Lebenskünstler der Literaturgeschichte. In JELISAWETA BÄM bringt sie jene Wirklichkeit auf die Bühne, die wir irrtümlicherweise immer noch „Quatsch“ nennen.
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Regie
Premiere