THE NEW NORMAL

FESTIVAL
Der Mensch, die Natur und das Leben in Zeiten (nach) der Pandemie
Unsere Welt ist eine andere. Das machen schon die Zahlen der fortdauernden Pandemie deutlich. Über 200 Millionen Infizierte, über vier Millionen Todesopfer. Gleichzeitig hat auch die Klimakrise nichts an Relevanz eingebüßt: Wälder brennen. Permafrostböden tauen. Ozeane vermüllen. Landschaften werden überschwemmt.

Beide Entwicklungen – Pandemie wie Klimakrise – bedingen einander und sind Teil unserer neuen Normalität. Umso wichtiger wird es sein, nun den Blick zu weiten und nicht tatenlos zu erstarren. Tiere, Pflanzen, Viren, Objekte, Algorithmen und Wetterphänomene: Sie alle interagieren mit uns. Wir sind mit unzähligen Organismen und Kreisläufen verschränkt. So beunruhigend in diesem Lichte der faustische Pakt mit Technologie auch scheinen mag – wir sind auf sie angewiesen, wenn wir einen Weg aus den Krisen finden wollen.
Was also bedeutet die Pandemie für unser Nachdenken über das Anthropozän? Welchen Einfluss haben Digitalität und Technologie auf Naturereignisse? Was lehren uns die Erfahrungen der vergangenen Monate über die Bewältigung existenzieller Krisen? Und welche Perspektiven ergeben sich daraus für den Aktivismus und für die Kunst?
Ein Wochenende lang stellt sich das Volkstheater diesen Fragen – mit großen Konzerten und Gastspielen auf der großen Bühne, mit Gesprächen und Performances in der Roten Bar und Dunkelkammer, mit Multimedia-Installationen im Weißen Salon. Und natürlich mit Bäumen und Nebel, mit Klärschlamm und Mikroben. Gemeinsam erforschen wir neue Perspektiven und versuchen, diese neue Normalität in ihrer Verflochtenheit begreifbar zu machen.
Besetzung
Künstlerische Produktionsleitung 
Vergangene Termine anzeigen
Fr
15.10.2021
17:45
1 Std.
THE NEW NORMAL: Begrüßung durch die Kurator*innen
Fr
15.10.2021
18:00
1 Std.
Nahräume des Wandels. Plädoyer für eine neue Politik der Körper. (In Andenken an Jean-Luc Nancy)
Keynote von Prof. Dr. Karin Harrasser
Pandemie und Klimawandel, so unterschiedlich sie als Natur-Kulturereignisse sonst sein mögen, haben drastisch vor Augen geführt, was in verschiedenen Spielarten feministischen und ökokritischen Denkens seit geraumer Zeit eine wichtige Rolle spielt: Menschliche Körper sind tief eingebettet in mehr-als-menschliche und in die koloniale Vergangenheit hineinreichende Prozesse des Lebens und Sterbens. In ihrem Vortrag sondiert die Medien- und Kulturwissenschaftlerin Karin Harrasser die zerstörerischen Dynamiken des Kapitalozäns im Nahraum und macht Vorschläge, wie es möglich sein könnte, den Körper als isolierte Einheit zu verlernen.

Eintritt frei, Zählkarten
Tickets
Fr
15.10.2021
19:30
1 Std.
DOT, PAUSE, DOT, DOT
Lecture Performance von Guilherme Maggessi und Rafal Morusiewicz
Ausgehend von den Themen ihrer Ausstellung THE POIESIS OF COMPOSTING präsentiert das junge Wiener Künstlerduo Maggessi/Morusiewicz ein transmediales Gedicht: Die Ergebnisse einer Recherche zur Metapher des Komposts – und all ihrer Manifestationen in Kunst, Literatur und Geschichte – werden diskutiert, geremixt und erweitert.
EUR 7,–
Tickets
 Konzert 
Fr
15.10.2021
21:00
1 Std.
Pantha du Prince: CONFERENCE OF TREES

Bäume und Wälder kommunizieren untereinander, auch über weite Distanzen hinweg, bilden durch symbiotische Beziehungen eine Gemeinschaft. Der Techno-Produzent und Ausnahmekünstler Hendrik Weber überführt diese zellbiologischen „Unterhaltungen“ mit seinem Projekt Pantha du Prince in hypnotische Musik. Clubmusik mit Naturholzklang, Elektro mit Glockenspiel und tanzbarer Engelschor – der in Berlin und Brandenburg lebende Musiker bringt sein gefeiertes Album CONFERENCE OF TREES (2020) als Konzert mit Bandbegleitung ans Volkstheater.

Clubmusik mit Naturholzklang, Elektro mit Glockenspiel und tanzbarer Engelschor. „Was wir hier hören, ist weder Techno noch experimentelle Musiktheorie, sondern eine Art sakrale Messe. Ein Meisterwerk.“ (The Gap)
EUR 35,- / EUR 28,- / EUR 19,-
Tickets
Sa
16.10.2021
14:00
1 Std.
Nach der Pest. Die Wahrnehmung vergangener Pandemien und ihre Bedeutung für die Gegenwart
Vortrag von Prof. Dr. med. Philipp Osten (Medizinhistorisches Museum Hamburg)
Im März 2020 hängten Wiener Kinder, die nicht in ihre Kindergärten durften, bunte Regenbogenbilder in die Fenster. Seit er über Noahs Arche das Ende der Sintflut ankündigte, ist der Regenbogen das Symbol des guten Ausgangs verheerender Katastrophen. Die Überlebenden von Pest und Hungersnöten prägten ihn auf Erinnerungsmedaillen.
Als sich im Herbst 2019 der Beginn einer neuen Pandemie abzeichnete, wurde sie vielfach so besprochen, als sei ihr baldiges Ende abzusehen. Medizinhistoriker*innen traten auf den Plan. Sie berichteten über Pest, Cholera und Spanische Grippe – und darüber, wie die moderne Medizin sie losgeworden ist. Aber haben wir es wirklich geschafft, aus den vorangegangenen Pandemien zu lernen?
Philipp Osten erzählt von einer Stadt, die bei einem Pestausbruch im Jahr 1713 versuchte, Handel und Wirtschaft zu schützen, von den sozialen Medien im Cholerajahr 1831 und von der Spanischen Grippe von 1918, die im Jahr 2007 zum Modell für die Pandemien der Zukunft erklärt wurde.
Eintritt frei, Zählkarten
Tickets
Sa
16.10.2021
15:30
1 Std.
Corona – ein Kommunikationsproblem?
Gespräch mit der Stadträtin für Kultur und Wissenschaft Veronica Kaup-Hasler, Prof. Dr. Dorothee von Laer, Prof. Dr. Philipp Osten und Natascha Strobl
Wie sprechen wir über COVID-19? In Form von Strategien, Maßnahmen, Beschränkungen, Wellen und Inzidenzen. In Form von komplexen Studien, langen Podcasts, raunenden Telegram-Gruppen und unter die Haut gehenden Bildern. Wie kann politische und wissenschaftliche Kommunikation über diese Pandemie gelingen? Ein Blick zurück auf die Strategien der letzten 18 Monate, auf die Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln – aus medialer, politischer und virologischer Sicht.

Eintritt frei, Zählkarten
Tickets
Sa
16.10.2021
18:00
1 Std.
Jenseits der Komfortzone. COVID-19 und der Globale Süden
Gespräch mit u. a. Prof. Shalini Randeria und Eric Otieno Sumba
Die Pandemie macht wie ein Brennglas die bereits zuvor existierenden Ungleichheiten und (post-)kolonialen Abhängigkeitsverhältniss unerträglich deutlich sichtbar – und verstärkt sie noch. Während in den Industrienationen bereits Gedankenspiele zur Entsorgung ungebrauchter Impfdosen kursieren, sind auf dem afrikanischen Kontinent gerade mal drei Prozent der Bevölkerung geimpft. Es ist an der Zeit, das alles als eine Spielart von Nekropolitik zu verstehen: Die großen Weltmächte können bestimmen, wer überlebt und wer stirbt. Wie wollen wir dieser globalen Dimension der Pandemie begegnen? Wie reagieren die Gesundheitssysteme und wie die Demokratiebewegungen? Welche Perspektiven gibt es – und welche Widerstände?
Auf dem Panel sitzen der Soziologe und Politwissenschaftler Eric Otieno Sumba sowie die indische Anthropologin Shalini Randeria, neue Rektorin der Central European University in Wien.

Eintritt frei, Zählkarten
Tickets
 Late Night 
Sa
16.10.2021
22:00
1 Std.
Liquid Times, Embodied Places
Filmprogramm, kuratiert von The Golden Pixel Cooperative
Die in Wien verortete Plattform für Kunst und Bewegtbild The Golden Pixel Cooperative kuratiert eigens für THE NEW NORMAL ein Filmprogramm für den späten Abend: Durch Zeiten und Genres springend, werden in der Roten Bar filmische Auseinandersetzungen über Mensch und Natur, über Umwelt und Kapitalozän, über Verflechtungen und fließende Grenzen präsentiert (u. a. mit Filmen von Lisa Rave, Katrin Hornek, Enar de Dios Rodríguez). Gestein, Getier, Gewucher – in 25 Bildern pro Sekunde.
EUR 7,–
Tickets
So
17.10.2021
11:00
1 Std.
Brennpunkt Stadt. Hitzeinsel mit Nebeldusche: Wien in der Klimakrise
Gespräch mit u. a. Barbara Laa und Maik Novotny
Der Klimawandel beschleunigt sich rapide. Die Stadtplanung ist ein langsamer Prozess. Doch Städte waren schon immer Innovationslabore, Orte für Protest und die Aushandlung gesellschaftlicher Konflikte - Urban Heat Islands der Gesellschaft. Eine auf engem Raum bebaute Stadt wie Wien ist Problem und Lösung zugleich: Die hohe Dichte ist ökologisch sinnvoll, gleichzeitig gerät der knapp bemessene öffentliche Raum unter Druck. Die Dominanz von Verbrennungsprozessen in Verkehr und Energie wird im aufgeheizten Klima nicht mehr akzeptiert. Wie kann, wie muss eine Stadt aussehen, die uns das Überleben sichert?
Eintritt frei, Zählkarten
Tickets
So
17.10.2021
15:30
1 Std.
Sind wir noch zu retten? Die Klimakrise in Österreich – und darüber hinaus
Vortrag von Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb
Helga Kromp-Kolb, emeritierte Professorin für Meteorologie an der Universität für Bodenkultur, gilt als eine der lautstarksten und fundiertesten Expertinnen zum Klimawandel in Österreich. In der Roten Bar bilanziert sie den aktuellen Forschungsstand: Wo besteht noch eine Möglichkeit zu handeln, was ist unrettbar verloren, und was muss nun geschehen?
Eintritt frei, Zählkarten
Tickets
So
17.10.2021
17:30
1 Std.
Auf dünnem Eis. Aktivismus in der neuen Normalität
Gespräch mit Katharina Rogenhofer, Ashwien Sankholkar, Florian Schlederer und Lena Schilling
Der US-Forscher Rob Nixon nennt den Klimawandel und die politische Reaktion darauf „slow violence“ – eine in Zeitlupe stattfindende Ausübung von Gewalt. Tatsächlich stellt sich vermehrt die Frage: Kann der Klima-Aktivismus in einer immer schneller werdenden Aufmerksamkeitsökonomie den strukturell langsam verlaufenden Prozessen der Zerstörung tatsächlich Kontra geben? Wie berichtet die mediale Sphäre über Aktivismus? Welches Aktionspotential besitzt er im zweiten Jahr der Pandemie? Wie sehr lohnt individuelle Konsumkritik, solange keine harten Reformen geschehen?
Es sprechen der Investigativ-Journalist Ashwien Sankholkar (DOSSIER), Katharina Rogenhofer und Florian Schlederer vom Klimavolksbegehren (ÄNDERT SICH NICHTS, ÄNDERT SICH ALLES, 2021 bei Hanser erschienen) sowie die FFF-Aktivistin Lena Schilling, Mitgründerin des Wiener Jugendrats und engagiert in der #LobauBleibt-Besetzung.

Eintritt frei, Zählkarten
Tickets
Mehr Termine anzeigen