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Illustration: Valerie Tiefenbacher
Deutschsprachige Erstaufführung

Die Reißleine

von David Lindsay-Abaire
Deutsch von Anna Opel
Ausnahmezustand im Seniorenheim: Abby, einer gefürchteten Kratzbürste, ist es mit ausgefeilter Unmanierlichkeit über Jahre gelungen, ihr letztes Refugium vor einer Zweitbelegung zu schützen. Jetzt hat ihr die Anstaltsleitung eine Marilyn auf das Zimmer gelegt. Jeder Versuch Abbys, den Eindringling auf bewährte Weise zum Rückzug zu bewegen, scheitert. Eine teuflische Wette soll Abhilfe schaffen.

Wer in der Schlacht zuerst die Nerven verliert, muss das Feld räumen, sprich: das Zimmer. Wird es Abby gelingen, die sanftmütige Marilyn wütend zu machen? Und vermag Marilyn, die hartgesottene Abby in Angst und Schrecken zu versetzen? Wer die gegnerische Festung einnehmen will, muss die Schwachstellen im Verteidigungssystem finden. Im Zuge der Wette wird nicht nur das Zimmer zum Kriegsschauplatz, die Kämpfe greifen auf Familienangehörige und Pflegepersonal über. Beide Kontrahentinnen schenken sich nichts, was die Wahl der Mittel anlangt, von denen Telefonterror und Kidnapping noch die harmloseren sind. Abby wähnt sich schließlich als Gewinnerin, doch Marilyn hat noch ein Ass im Ärmel …

Der amerikanische Autor David Lindsay-Abaire porträtiert zwei selbstbewusste Frauen, die jedes Altersklischee konterkarieren. Statt Klagelieder anzustimmen, setzen Lindsay-Abaires Heldinnen auf Lebensmut: Es ist nie zu spät für den ersten Sprung aus 2.000 Metern Höhe.

Regie führt Anna Marboe, Absolventin des Max Reinhardt Seminars, deren erste Regiearbeiten, u. a. Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner von Ingrid Lausund am Max Reinhardt Seminar und Oh Schimmi von Teresa Präauer am Kosmos Theater Bregenz/Schauspielhaus Wien, aufmerken ließen.

 

 


mit Julia Jelinek (Colleen/Frau in Weiß), Erika Mottl (Marilyn Dunne), Julian Waldner (Scotty/Stimme von Lewis), Dominik Warta (Derek/Benjamin/Clown), Doris Weiner (Abby Binder)

Pressestimmen

„(…) unter der Regie von Anna Marboe [wird] reizende, teils berührende Unterhaltung geboten. Ganz groß auch die Begleitmusik aus Leonard Cohens letztem, tiefschwarzem Album „You Want it Darker“.
Martin Lhotzky, Falter

„Lob verdient jedenfalls die Inszenierung von Anna Marboe. (…) Die Spielfreude des Ensembles überträgt sich auch aufs Publikum. ‚Die Reißleine‘ kommt in Marboes kurzweiliger Inszenierung überraschend hip daher, entfaltet im Lauf der Handlung durchaus Unterhaltungswert und ist alles andere als eine verstaubte Seniorenheimklamotte.“
Irina Dietrich, Wiener Zeitung

„Doris Weiner, treue Seele des Volkstheaters in den Bezirken, ist natürlich eine viel zu reizende Person für die Rolle der kratzbürstigen Abby. Aber Anna Marboe (…) lockt tatsächlich den Schelm aus ihr heraus. Zudem hat Weiner mit Erika Mottl, die bereits 1963(!) am Volkstheater debütierte, eine wunderbare Gegenspielerin bekommen, in deren Gesicht jede Gefühlsregung ablesbar wird. Julian Waldner ist ein pfiffiger Pfleger, den man gerne als Enkel hätte. Und Dominik Warta berührt als verlorener Sohn. (…) Sehr sympathisch.“
Thomas Trenkler, Kurier