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IMPULSTANZ @ Volkstheater

IMPULSTANZ
15. Juli — 15. August 2021
Information: +43.1.523 55 58 • www.impulstanz.com

Kartenbestellungen und Reservierungen erfolgen ausschließlich über Impulstanz.

 

Meg Stuart / Damaged Goods (BE/DE/US)

CASCADE

17. Juli, 21:00 + 19. Juli, 21:00, Volkstheater
Uraufführung
105’
Tickets: https://www.impulstanz.com/performances/2021/id1367/

Die Zeit rast und zieht sich, sie drängt, driftet oder stürzt dahin wie ein Wasserfall. Für die Choreografin Meg Stuart ist Zeit eine vieldimensionale Kaskade, in der, wie sie sagt, „verschiedene Realitäten zugleich existieren“. Sieben Tänzer*innen jagen durch expandierende, aufplatzende und kollabierende Zeitblasen. Das ist die Irrfahrt einer Gruppe von Träumer*innen, deren Verhalten sich in einem überwältigenden Raum verwandelt und verzerrt, der ein Atlantis der Vergangenheit oder ein Zukunftsszenario sein könnte. Für diese Vision hat Stuart den berühmten französischen Regisseur und Bühnenkünstler Philippe Quesne engagiert. Die Musik stammt von Brendan Dougherty, der auch schon den Sound für Stuarts Stück VIOLET geliefert hat. Bei ImPulsTanz ist nun die Uraufführung dieses genialen künstlerischen Zusammentreffens zu sehen, das ein abgründiges Reich der Widersprüche, des Trügerischen und Tragikomischen hervorbringt.

 

[ImPulsTanz Classic]
Compagnie Maguy Marin (FR)

Umwelt

22. Juli, 21:00 + 24. Juli, 21:00, Volkstheater
Uraufführung der Neubearbeitung
70’
Tickets: https://www.impulstanz.com/performances/2021/id1369/

Hurra, wir leben! Und es gibt Hoffnung: Hat sich in den 15 Jahren seit der Uraufführung dieser so grandiosen wie heftig debattierten Performance der französischen Choreografin Maguy Marin nicht vieles verbessert? „Wir spielen mit dem Möglichen, ohne es zu erreichen“, relativiert Marin und bringt so unsere Gegenwart auf den Punkt: Wir tun, was wir können, aber da ginge noch wesentlich mehr. Und so ist die Herausforderung, die ihr Stück Umwelt darstellt und dessen Uraufführung seiner Reprise bei ImPulsTanz zu sehen ist, heute vielleicht noch aktueller als bei der Premiere 2004. Da pfeift ein scharfer Wind auf der Bühne, der alles schöne Tanzen verbläst. Er zerrt an den Kleidern und Haaren der Performer*innen, die sich in einem dämonischen Geräuschwirbel vor und hinter Spiegeln beharrlich an ihr „normales“ Leben klammern. Doch die Auswirkungen der fetten Jahre lassen ihre Welt gnadenlos aus den Fugen geraten. Hier hat Marin ein ikonisches Stück Aufklärung in die Welt gesetzt, in dem sie auf unpathetische, aber desto eindringlichere Art spüren lässt, wie sehr die Zeit drängt – noch immer, oder genauer: mehr und mehr!

 

Meg Stuart / Damaged Goods (BE/DE/US)

VIOLET

26. Juli, 21:00, Volkstheater
70’
Tickets: https://www.impulstanz.com/performances/2021/id1368/

In den Dynamiken einer Lebenswirklichkeit können sich heftige Wirbel bilden. Wer an deren „Ereignishorizont“ gerät, wird unweigerlich in etwas Unkontrollierbares hineingezogen. Ganz so wie die fünf Performer*innen in VIOLET. Diese werden getrieben von den aus erst harmlosem Wellenrauschen wuchernden, sich ständig steigernden Klängen des Livemusikers Brendan Dougherty und entwickeln aus anfangs minimalen Bewegungen der Schultern, Arme, Köpfe und Oberkörper eine monströs anmutende Energie. So aufgeladen, driften sie einer Ekstase entgegen, die von ihren Körpern Besitz ergreift, wie Spielsüchtige von ihrer Leidenschaft mitgerissen werden. VIOLET ist eine für Meg Stuart unypisch abstrakte Arbeit. Sie stellt, so erklärt die Choreografin, „fünf individuelle Reisen“ dar, „die simultan ablaufen“. Als eine Inspiration für VIOLET nennt sie Francis Alÿs’ Kurzfilm Tornado, für den ein Kameramann in einen Wirbelsturm läuft. Ein dramatischer Moment, der für Stuart ein Zeichen für eine Veränderung darstellt, die auch den Figuren in ihrem Stück bevorsteht.

 

Dada Masilo / The Dance Factory (ZA)

THE SACRIFICE

28. Juli, 21:00 + Zusatzvorstellung: 29. Juli, 21:00 + 30. Juli, 21:00 + 31. Juli, 21:00, Volkstheater
Österreichische Erstaufführung
75’
Tickets: https://www.impulstanz.com/performances/2021/id1370/

Igor Strawinsky und Vaslav Nijinsky produzierten im Jahr 1913 einen skandalträchtigen Klassiker, der seither immer wieder neu interpretiert wurde: Le sacre du printemps, auch Das Frühlingsopfer genannt. Nun hat mit Dada Masilo einer der jüngsten Fixsterne im Kosmos der internationalen Choreografie den Stoff aufgegriffen und ihm eine neue kulturelle Dimension verliehen. Ihren Erfolg verdankt die in Johannesburg geborene Künstlerin ihren afrikanisch geprägten Adaptionen von Ballettklassikern wie Schwanensee, Carmen oder Giselle. Als Masilo 2019 schließlich an ihrem jüngsten Stück THE SACRIFICE zu arbeiten begann, fragte sie sich auch: „Was opfern wir in unserem täglichen Leben?“ Sie wollte die etwas schlichte Handlung des Frühlingsopfer erweitern, um „eine größere Geschichte zu erzählen“. So hat sie zur einprägsamen Live-Musik von Tlale Makhene, Ann Masina, Leroy Mapholo und Nathi Shongwe ein ganz eigenständiges, emotionales Werk für sich und elf Tänzer*innen ihres Johannesburger Ensembles geschaffen. Deren kraftvoller Tswana-Tanz überzeugt durch rituelle Höhepunkte, hochenergetischen Tanz und starke Bilder.

 

In Memoriam Ismael Ivo

Mit Beiträgen von Germaine Acogny (SN), Jose Agudo (UK/ES), Ivo Dimchev (BG), Chris Haring & Liquid Loft (AT), Raja Feather Kelly (US), Klangforum Wien (AT), Koffi Kôkô (FR/BJ), Louise Lecavalier (CA), Susanne Linke (DE), Dada Masilo (ZA), Breanna O’Mara (AT/US) & Pina Bausch Foundation (DE), Akemi Takeya (AT/JP), Doris Uhlich (AT) und Wim Vandekeybus & Ultima Vez (BE)
1. August, 20:00, Volkstheater
Eintritt frei / Kartenreservierung erforderlich: https://www.impulstanz.com/performances/2021/id1435/

Über diese Art des Gedenkens an sein Leben, an seinen Tanz und an die wunderbare Zeit, die Ismael Ivo seinem Publikum gegeben hat, hätte er sich wohl am meisten gefreut: wenn einige der unzähligen Künstler*innen, die er geschätzt und in dem von ihm mitgegründeten ImPulsTanz-Festival präsentiert und gefördert hat, auf der Bühne zusammenkommen und in seinem Namen die Kunst feiern, die ihm so viel bedeutete. Genau das wird an diesem Abend geschehen. In Wien, wo viele seiner Fans ihn seit fast vierzig Jahren als Zuschauer*innen, als künstlerische Partner*innen oder als Besucher*innen seines Unterrichts verehren. Ismael Ivo hat den Tanz mit seinem Wissen, seinem Talent und seinem Charisma zu dem mitverholfen, was er heute ist: eine Kunst, die aus der Gegenwartskultur nicht mehr wegzudenken ist. Auf der Volkstheater-Bühne werden Größen dieser Kunst wie unter anderen Germaine Acogny, Jose Agudo, Ivo Dimchev, Raja Feather Kelly, das Klangforum Wien, Koffi Kôkô, Louise Lecavalier, Dada Masilo, Akemi Takeya und Doris Uhlich ihn gebührend hochleben lassen.

 

Ultima Vez / Wim Vandekeybus (BE)

TRACES

3. August, 21:00 + Zusatzvorstellung: 4. August, 21:00 + 5. August, 21:00, Volkstheater
Österreichische Erstaufführung
105’
Tickets: https://www.impulstanz.com/performances/2021/id1373/

Wilder Tanz, energiegeladene Körper, brachiale Szenen und atemberaubende Sinnlichkeit kennzeichnen die Werke von Wim Vandekeybus, der zu den einflussreichsten Choreografen der Gegenwart zählt. Immer wieder hat er sich mit dem Animalischen im Menschen auseinandergesetzt. Jetzt steuert er dieses Motiv in eine Darstellung der Verletzungen, die Kultur und Natur einander zufügen. Angeregt von einer Reise in die Wälder Rumäniens, von Tanzbären, der nomadischen Lebensweise der Roma und von Werken des tschechisch-französischen Photographen Josef Koudelka, involviert Vandekeybus sein Publikum in diese aufwühlende Bilder-Zeremonie ohne Worte. Seine zehnköpfige Tänzer*innen-Horde liefert sich einem spannungsgeladenen Konflikt zwischen Stillstand und blindem Vorwärts aus, und die „Spuren“ darin werden allein durch Bewegungen, Rhythmen, Intensitäten und Atmosphäre deutlich. Dabei geht es nicht um „realistische Bilder“, sagt Wim Vandekeybus, sondern um „Verfremdung und Abstraktion“, die das Publikum zum Denken anregt. TRACES ist kein Dokumentartheater, sondern Kunst in Reinkultur.

 

[ImPulsTanz Classic]
Frank Van Laecke, Alain Platel, Steven Prengels – NTGent & les ballets C de la B (BE)

Gardenia – 10 years later

7. August, 21:00 + 9. August, 21:00, Volkstheater
Uraufführung der Neubearbeitung
110’
Tickets: https://www.impulstanz.com/performances/2021/id1375/

Tagsüber sind sie reifere Leute in Anzügen. Aber nachts beginnt ein anderes Leben. Da wird die Tarnung abgestreift und schon blühen, Szene für Szene, extravagante Persönlichkeiten in phantastischen Roben auf. Gardenia ist ein Fest der Travestie, ein Traum der Verwandlung ganz nach dem Geschmack von Alain Platel (Le ballets C de la B), der hier zusammen mit Frank Van Laecke Regie führt. Den Anstoß dafür gab der niederländische Dokumentarfilm Yo soy así, mit dem im Jahr 2000 einem vor der Schließung stehenden Transgender-Club namens „La Bodega Bohemia“ in Barcelona ein stimmungsvolles Denkmal gesetzt wurde. 2010 versammelten Van Laecke und Platel eine Gruppe exquisiter Travestiekünstler, die bestens in die Bodega gepasst hätten, rund um die Kabarettistin und Performerin Vanessa Van Durme und brachten mit Gardenia eine Sternstunde des Theaters zur Uraufführung. Jetzt ist dieses Kleinod in der Uraufführung der Reprise bei ImPulsTanz in beinahe vollständiger Originalbesetzung wiederzusehen: Noch einmal zeigen sich diese Heldinnen der queeren Kultur mit all ihrem Charme, zwischen Tomás Méndes’ Cucurrucucú Paloma und Ravels Bolero.

 

Guy Cools (BE/AT) in conversation with Alain Platel (BE)

Performing Mourning, Laments in Contemporary Art.

8. August, 18:00, Volkstheater
60’
Eintritt frei / Kartenreservierung erforderlich: https://www.impulstanz.com/performances/2021/id1427/

Anlässlich seines neuen Buches Performing Mourning, Laments in Contemporary Art. wird der in Wien lebende Tanzdramaturg Guy Cools mit dem Choreografen Alain Platel ins Gespräch kommen. Die beiden kennen sich seit mehr als 30 Jahren und haben sich schon oft in öffentlichen Gesprächen aus­getauscht. Diesmal werden sie sich darauf konzentrieren, wie die Verletzlichkeit des alternden und sterbenden Körpers in einigen von Platels Schlüsselwerken des letzten Jahrzehnts eine zentrale Rolle gespielt hat: Gardenia (2010), En Avant Marche (2015) und Requiem pour L. (2018).

 

Akram Khan Company (GB)

Outwitting the Devil

11. August, 21:00 + 13. August, 21:00 + 14. August, 21:00, Volkstheater
Österreichische Erstaufführung
80’
Tickets: https://www.impulstanz.com/performances/2021/id1376/

„Ich will Hand anlegen, die Zeder abhaun / Einen Namen, der dauert – mir will ich ihn setzen!“ Große Töne spuckt König Gilgamesch in dem nach ihm benannten sumerischen Epos, auf das der britische Choreograf des Jahres 2020, Akram Khan, zurückgreift, um zu zeigen, was es heißt, den Teufel überlisten zu wollen. Outwitting the Devil ist Khans Metapher für den Umgang des Menschen mit seinen dunklen Seiten. Mesopotamien, vor rund 4000 Jahren: Gilgamesch und sein Freund Enkidu überwältigen Humbaba, den Wächter eines großen Zedernwaldes, und fällen dessen Bäume – ein ökologisches Desaster. Weil Enkidu den Besiegten umbringt, ereilt ihn Humbabas tödlicher Fluch. Tief getroffen von diesem Verlust, macht sich Gilgamesch in diesem ersten Klimagedicht der Literatur auf die Suche nach der Unsterblichkeit. Tatsächlich findet er ein Kraut gegen den Tod, doch das wird ihm von einer Schlange entwendet. Akram Khan und ein generationenübergreifendes Ensemble haben diese Männergeschichte mit Susan Dorothea Whites Neuinterpretation von Leonardos Gemälde Das letzte Abendmahl verknüpft. Daraus ist ein düster sinnliches, gegenwartsverbundenes Meisterwerk geworden.