Menü
 
Illustration: Valerie Tiefenbacher
Uraufführung

Körper-Krieg

von Armin Petras
Mit Athlet/innen-Geschichten aus Verlorene Spiele von Ines Geipel und der noch unveröffentlichten Novelle Probe aufs Exempel von Martin Prinz
„… vom Träumen und der Lust am Sport wird also die Rede sein, aber ebenso von zerrissenen Leben, von Schäden an Leib und Seele und der Frage, wie Menschen mit ihren Erfahrungen heute leben.“

Im Jahr 2001 verfolgte die ehemalige Weltklassesprinterin Ines Geipel den Prozess gegen hochrangige Sportfunktionäre der DDR, die in staatlichem Auftrag ein ausgeklügeltes und flächendeckendes Zwangsdopingsystem kreierten und an minderjährigen Sportler/innen ohne deren Wissen zur Anwendung brachten.
Oral Turinabol und andere anabole Steroide machten, als Vitamine getarnt, die Körper bereit für den Krieg um die Medaillen. Leberkarzinome und Herzinfarkte, Muskel- und Sehnenverletzungen, Wachstumsretardierungen, Störungen der Fruchtbarkeit, irreversible Stimmvertiefungen, weitläufige Körperbehaarung und Wachstum der Klitoris waren Nebenwirkungen, die billigend in Kauf genommen wurden. In ihrem 2001 erschienenen Buch Verlorene Spiele dokumentiert sie das Schicksal gedopter DDR-Sportler/innen.
Aber die Totalität des Leistungsprinzips beherrscht den Sport auch in der freien westlichen Welt. Gerade in den letzten Monaten schlägt die “Operation Aderlass” Wellen und zeitigt juristische Folgen, auch in Österreich. Angeklagt des Sportbetruges ist unter anderem der österreichische Skilangläufer Johannes Dürr. Vier Jahre lang hatte ihn der Schriftsteller Martin Prinz begleitet auf dem “Weg zurück”, getragen von der Hoffnung nach dem sauberen Abschluss einer wechselvollen Skilanglaufgeschichte. Die Probe aufs Exempel jedoch führte in die Sackgasse und endete im neuerlichen Betrug.

Nach wie vor lagern überall in Europa prall gefüllte Blutbeutel in den Kühltruhen der Medizinmänner der Spitzenleistung. Hier weiß jeder genau, was er tut. Aber wer profitiert wirklich?

Der deutsche Regisseur Armin Petras, Jahrgang 1964, aufgewachsen in der DDR, war Schauspieldirektor in Kassel, Intendant am Maxim Gorki Theater Berlin und am Staatstheater Stuttgart. Für das Volx/Margareten verdichtet er Protokolle und Berichte von Sportler/innen zu einem Theatertext über den Körper als Kampfplatz.

 

Leider müssen wir das Projekt aufgrund der derzeitigen Situation und des damit einhergehenden Ausfalls der Probenzeit nun schweren Herzens absagen.

„Es waren tolle Leute am Start. Danke, Ines Geipel, für Deine Beratung und die von Dir recherchierten DDR-Sportlerinnen-Biografien, deren tragische Schicksale antikes Format hatten. Danke Martin Prinz für das großzügige Teilen Deiner Erfahrungen bezüglich der Begleitung des Skilangläufers Johannes Dürr auf seinem „Weg zurück“. Danke Armin Petras für einen Theatertext, der das Diktat der Grenzüberschreitung im Spitzensport in seiner Komplexität thematisierte. Danke, Ihr wunderbaren Schauspielkollegen, die Ihr Euch hochmotiviert in die sportlichen Proben geschmissen habt.
Auch wenn wir – Virus bedingt – nicht über die Zielgerade gekommen sind, wir waren auf gutem Weg. Und es hat verdammt viel Spaß gemacht. Das immerhin gilt es festzuhalten.“

– Dramaturgin und Initiatorin Heike Müller-Merten, die seit einem Jahr für das Zustandekommen des Projektes gekämpft hat.

“Was bleibt, ist das beieinander sein von Menschen, die sich vorher nur bedingt bekannt waren, die Arbeit der Ausstatterin Karo Bierner, eine unerlöste Textfassung und das Wissen, dass Theater eine wichtige und schöne Sache in unserem Leben ist, aber andere Lebenswelten grundsätzlicher sind und uns fundamental beeinflussen können. Ich danke allen Kollegen, von der Hospitantin Sophia bis zur kämpferischen Intendantin und wünsche euch allen viel Kraft, Ausdauer und bald wieder wunderbare Proben und meine Hoffnung auf ein Wiedersehen mit vielen von euch.”

– Armin Petras, Autor und Regisseur